<?xml version="1.0" encoding="utf-8" ?>

<rss version="2.0" 
   xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#"
   xmlns:admin="http://webns.net/mvcb/"
   xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
   xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
   xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
   xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
   >
<channel>
    
    <title>Harrys Blog (Artikel mit Tag Wolfgang Borchert)</title>
    <link>https://blog.goehde.com/</link>
    <description>make love not war</description>
    <dc:language>de</dc:language>
    <generator>Serendipity 2.4.0 - http://www.s9y.org/</generator>
    <pubDate>Tue, 15 Mar 2022 17:42:00 GMT</pubDate>

    <image>
    <url>https://blog.goehde.com/templates/2k11/img/s9y_banner_small.png</url>
    <title>RSS: Harrys Blog - make love not war</title>
    <link>https://blog.goehde.com/</link>
    <width>100</width>
    <height>21</height>
</image>

<item>
    <title>An diesem Dienstag</title>
    <link>https://blog.goehde.com/index.php?/archives/12-An-diesem-Dienstag</link>
            <category>Pazifismus</category>
    
    <comments>https://blog.goehde.com/index.php?/archives/12-An-diesem-Dienstag#comments</comments>
    <wfw:comment>https://blog.goehde.com/wfwcomment.php?cid=12</wfw:comment>

    <slash:comments>0</slash:comments>
    <wfw:commentRss>https://blog.goehde.com/rss.php?version=2.0&amp;type=comments&amp;cid=12</wfw:commentRss>
    

    <author>nospam@example.com (harry)</author>
    <content:encoded>
    &lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;10 x IM KRIEG SIND ALLE VÄTER SOLDAT.&quot; src=&quot;https://www.goehde.com/img.php?nh=800&amp;amp;nb=800&amp;amp;id=97160&quot; title=&quot;10 x IM KRIEG SIND ALLE VÄTER SOLDAT.&quot; /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;h2&gt;&lt;strong&gt;Wolfgang Borchert - An diesem Dienstag&lt;/strong&gt;&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;aus: &lt;strong&gt;Das Gesamtwerk | Rowohlt | 1981 | ISBN: 9783498090272&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.goehde.com/img.php?&amp;amp;id=90500&quot; /&gt;&lt;img src=&quot;https://www.goehde.com/img.php?id=90456&quot; /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;An diesem Dienstag&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Die Woche hat einen Dienstag.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Das Jahr ein halbes Hundert.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Der Krieg hat viele Dienstage.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;An diesem Dienstag&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;&amp;uuml;bten sie in der Schule die gro&amp;szlig;en Buchstaben. Die Lehrerin hatte eine Brille mit dicken Gl&amp;auml;sern. Die hatten keinen Rand. Sie waren so dick, da&amp;szlig; die Augen ganz leise aussahen.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Zweiundvierzig M&amp;auml;dchen sa&amp;szlig;en vor der schwarzen Tafel und schrieben mit gro&amp;szlig;en Buchstaben:&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;DER ALTE FRITZ HATTE EINEN TRINKBECHER AUS BLECH. DIE DICKE BERTA SCHOSS BIS PARIS. IM KRIEGE SIND ALLE V&amp;Auml;TER SOLDAT.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ulla kam mit der Zungenspitze bis an die Nase. Da stie&amp;szlig; die Lehrerin sie an. Du hast Krieg mit ch geschrieben, Ulla. Krieg wird mit g geschrieben. G wie Grube. Wie oft habe ich das schon gesagt. Die Lehrerin nahm ein Buch und machte einen Haken hinter Ullas Namen. Zu morgen schreibst du den Satz zehnmal ab, sch&amp;ouml;n sauber, verstehst du? Ja, sagte Ulla und dachte: Die mit ihrer Brille.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Auf dem Schulhof fra&amp;szlig;en die Nebelkr&amp;auml;hen das weggeworfene Brot. An diesem Dienstag&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;wurde Leutnant Ehlers zum Bataillonskommandeur befohlen. Sie m&amp;uuml;ssen den roten Schal abnehmen, Herr Ehlers.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Herr Major?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Doch, Ehlers. In der Zweiten ist sowas nicht beliebt.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ich komme in die zweite Kompanie?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ja, und die lieben sowas nicht. Da kommen Sie nicht mit durch. Die Zweite ist an das Korrekte gew&amp;ouml;hnt. Mit dem roten Schal l&amp;auml;&amp;szlig;t die Kompanie Sie glatt stehen. Hauptmann Hesse trug sowas nicht.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ist Hesse verwundet?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Nee, er hat sich krank gemeldet. F&amp;uuml;hlte sich nicht gut, sagte er. Seit er Hauptmann ist, ist er ein bi&amp;szlig;chen flau geworden, der Hesse. Versteh ich nicht. War sonst immer so korrekt. Na ja, Ehlers, sehen Sie zu, da&amp;szlig; Sie mit der Kompanie fertig werden. Hesse hat die Leute gut erzogen. Und den Schal nehmen Sie ab, klar?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;T&amp;uuml;rlich, Herr Major.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Und passen Sie auf, da&amp;szlig; die Leute mit den Zigaretten vorsichtig sind. Da mu&amp;szlig; ja jedem anst&amp;auml;ndigen Scharfsch&amp;uuml;tzen der Zeigefinger jucken, wenn er diese Gl&amp;uuml;hw&amp;uuml;rmchen herumschwirren sieht. Vorige Woche hatten wir f&amp;uuml;nf Kopfsch&amp;uuml;sse. Also passen Sie ein bi&amp;szlig;chen auf, ja?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Jawohl, Herr Major.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Auf dem Wege zur zweiten Kompanie nahm Leutnant Ehlers den roten Schal ab. Er steckte eine Zigarette an. Kompanief&amp;uuml;hrer Ehlers, sagte er laut.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Da scho&amp;szlig; es.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;An diesem Dienstag&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;sagte Herr Hansen zu Fr&amp;auml;ulein Severin:&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Wir m&amp;uuml;ssen dem Hesse auch mal wieder was schicken, Severinchen. Was zu rauchen, was zu knabbern. Ein bi&amp;szlig;chen Literatur. Ein Paar Handschuhe oder sowas. Die Jungens haben einen verdammt schlechten Winter drau&amp;szlig;en. Ich kenne das. Vielen Dank.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;H&amp;ouml;lderlin vielleicht, Herr Hansen?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Unsinn, Severinchen, Unsinn. Nein, ruhig ein bi&amp;szlig;chen freundlicher. Wilhelm Busch oder so. Hesse war doch mehr f&amp;uuml;r das Leichte. Lacht doch gern, das wissen Sie doch. Mein Gott, Severinchen, was kann dieser Hesse lachen!&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ja, das kann er, sagte Fr&amp;auml;ulein Severin.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;An diesem Dienstag&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;trugen sie Hauptmann Hesse auf einer Bahre in die Entlausungsanstalt. An der T&amp;uuml;r war ein Schild:&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;OB GENERAL, OB GRENADIER:&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;DIE HAARE BLEIBEN HIER.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Er wurde geschoren. Der Sanit&amp;auml;ter hatte lange d&amp;uuml;nne Finger. Wie Spinnenbeine. An den Kn&amp;ouml;cheln waren sie etwas ger&amp;ouml;tet. Sie rieben ihn mit etwas ab, das roch nach Apotheke. Dann f&amp;uuml;hlten die Spinnenbeine nach seinem Puls und schrieben in ein dickes Buch: Temperatur 41,6. Puls 116. Ohne Besinnung. Fleckfieberverdacht. Der Sanit&amp;auml;ter machte das dicke Buch zu. Seuchenlazarett Smolensk stand da drauf. Und darunter: Vierzehnhundert Betten.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Die Tr&amp;auml;ger nahmen die Bahre hoch. Auf der Treppe pendelte sein Kopf aus den Decken heraus und immer hin und her bei jeder Stufe. Und kurzgeschoren. Und dabei hatte er immer &amp;uuml;ber die Russen gelacht. Der eine Tr&amp;auml;ger hatte Schnupfen.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;An diesem Dienstag&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;klingelte Frau Hesse bei ihrer Nachbarin. Als die T&amp;uuml;r aufging, wedelte sie mit dem Brief. Er ist Hauptmann geworden. Hauptmann und Kompaniechef, schreibt er. Und sie haben &amp;uuml;ber 40 Grad K&amp;auml;lte. Neun Tage hat der Brief gedauert. An Frau Hauptmann Hesse hat er oben drauf geschrieben.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Sie hielt den Brief hoch. Aber die Nachbarin sah nicht hin. 40 Grad K&amp;auml;lte, sagte sie, die armen Jungs. 40 Grad K&amp;auml;lte.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;An diesem Dienstag&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;fragte der Oberfeldarzt den Chefarzt des Seuchenlazarettes Smolensk: Wieviel sind es jeden Tag?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ein halbes Dutzend.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Scheu&amp;szlig;lich, sagte der Oberfeldarzt.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ja, scheu&amp;szlig;lich, sagte der Chefarzt.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Dabei sahen sie sich nicht an.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;An diesem Dienstag&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;spielten sie die Zauberfl&amp;ouml;te. Frau Hesse hatte sich die Lippen rot gemacht.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;An diesem Dienstag&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;schrieb Schwester Elisabeth an ihre Eltern: Ohne Gott h&amp;auml;lt man das gar nicht durch. Aber als der Unterarzt kam, stand sie auf. Er ging so krumm, als tr&amp;uuml;ge er ganz Ru&amp;szlig;land durch den Saal.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Soll ich ihm noch was geben? fragte die Schwester.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Nein, sagte der Unterarzt. Er sagte das so leise, als ob er sich sch&amp;auml;mte.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Dann trugen sie Hauptmann Hesse hinaus. Drau&amp;szlig;en polterte es. Die bumsen immer so. Warum k&amp;ouml;nnen sie die Toten nicht langsam hinlegen. Jedesmal lassen sie sie so auf die Erde bumsen. Das sagte einer. Und sein Nachbar sang leise:&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Zicke zacke juppheidi&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Schneidig ist die Infanterie.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Der Unterarzt ging von Bett zu Bett. Jeden Tag. Tag und Nacht. Tagelang. N&amp;auml;chte durch. Krumm ging er. Er trug ganz Ru&amp;szlig;land durch den Saal. Drau&amp;szlig;en stolperten zwei Krankentr&amp;auml;ger mit einer leeren Bahre davon. Nummer 4, sagte der eine. Er hatte Schnupfen.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;An diesem Dienstag&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;sa&amp;szlig; Ulla abends und malte in ihr Schreibheft mit gro&amp;szlig;en Buchstaben:&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;IM KRIEG SIND ALLE V&amp;Auml;TER SOLDAT.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;IM KRIEG SIND ALLE V&amp;Auml;TER SOLDAT.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Zehnmal schrieb sie das. Mit gro&amp;szlig;en Buchstaben. Und Krieg mit G. Wie Grube.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 15 Mar 2022 18:42:00 +0100</pubDate>
    <guid isPermaLink="false">https://blog.goehde.com/index.php?/archives/12-guid</guid>
    <category>Wolfgang Borchert</category>

</item>
<item>
    <title>Lesebuchgeschichten</title>
    <link>https://blog.goehde.com/index.php?/archives/71-Lesebuchgeschichten</link>
            <category>Pazifismus</category>
    
    <comments>https://blog.goehde.com/index.php?/archives/71-Lesebuchgeschichten#comments</comments>
    <wfw:comment>https://blog.goehde.com/wfwcomment.php?cid=71</wfw:comment>

    <slash:comments>0</slash:comments>
    <wfw:commentRss>https://blog.goehde.com/rss.php?version=2.0&amp;type=comments&amp;cid=71</wfw:commentRss>
    

    <author>nospam@example.com (harry)</author>
    <content:encoded>
    &lt;h3&gt;Wolfgang Borchert - Lesebuchgeschichten&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Alle Leute haben eine N&amp;auml;hmaschine, ein Radio, Eisschrank und Telefon.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Was machen wir nun? fragte der Fabrikbesitzer.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Bomben, sagte der Erfinder.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Krieg sagte der General.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Wenn es dann gar nicht anders geht, sagte der Fabrikbesitzer.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Der Mann mit dem wei&amp;szlig;en Kittel schrieb Zahlen auf das Papier.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Er machte ganz kleine zarte Buchstaben dazu.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Dann zog er den wei&amp;szlig;en Kittel aus und pflegte die Blumen auf der Fensterbank.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Als er sah, da&amp;szlig; eine Blume eingegangen war, wurde er sehr traurig und weinte.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Und auf dem Papier standen die Zahlen.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Danach konnte man mit einem halben Gramm in zwei Stunden tausend Menschen tot machen.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Die Sonne schien auf die Blumen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Und auf das Papier.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Zwei M&amp;auml;nner sprachen miteinander.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Kostenanschlag?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Mit Kacheln?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Mit gr&amp;uuml;nen Kacheln nat&amp;uuml;rlich.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Vierzigtausend.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Vierzigtausend? Gut. Ja mein Lieber, h&amp;auml;tte ich mich nicht rechtzeitig von Schokolade auf Schie&amp;szlig;pulver umgestellt, dann k&amp;ouml;nnte ich Ihnen diese vierzigtausend nicht geben.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Und ich Ihnen keinen Duschraum.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Mit gr&amp;uuml;nen Kacheln.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Mit gr&amp;uuml;nen Kacheln&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Die beiden M&amp;auml;nner gingen auseinander&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Es war ein Fabrikbesitzer und ein Bauunternehmer&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Es war Krieg.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Kegelbahn. Zwei M&amp;auml;nner sprachen miteinander.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Nanu, Studienrat, dunklen Anzug an. Trauerfall?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Keineswegs, keineswegs. Feier gehabt. Jungens gehen an die Front.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Kleine Rede gehalten. Sparta erinnert. Clausewitz zitiert. Paar Begriffe mitgegeben: Ehre, Vaterland. H&amp;ouml;lderlin lesen lassen. Langemarck gedacht. Ergreifende Feier. Ganz ergreifend. Jungens haben gesungen: Gott,der Eisen wachsen Lie&amp;szlig;. Augen leuchteten. Ergreifend. Ganz ergreifend.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Mein Gott, Studienrat h&amp;ouml;ren Sie auf. Das ist ja gr&amp;auml;&amp;szlig;slich.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Der Studienrat starrte die anderen entsetzt an.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Er hatte beim Erz&amp;auml;hlen lauter kleine Kreuze auf das Papier gemacht. Lauter kleine Kreuze.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Er stand auf und lachte. Nahm eine neue Kugel und lie&amp;szlig; sie &amp;uuml;ber die Bahn rollen. Es donnerte leise. Dann st&amp;uuml;rzten hinten die Kegel. Sie sahen aus wie kleine M&amp;auml;nner.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Zwei M&amp;auml;nner sprachen miteinander.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Na, wie ist es?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Ziemlich schief.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Wie viel haben Sie noch?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Wenn es gut geht: viertausend.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Wie viel k&amp;ouml;nnen Sie mir geben?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;H&amp;ouml;chstens achthundert.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Die gehen drauf.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Also tausend.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Danke.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Die beiden M&amp;auml;nner gingen auseinander.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Es waren Gener&amp;auml;le&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Es war Krieg.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Zwei M&amp;auml;nner sprachen miteinander.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Freiwilliger?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&amp;#39;t&amp;uuml;rlich.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Wie alt?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Achtzehn. Und Du?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Ich auch.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Die beiden M&amp;auml;nner gingen auseinander.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Es waren zwei Soldaten.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Da fiel der eine um. Er war tot.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Es war Krieg.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Als der Krieg aus war, kam der Soldat nach Haus. Aber er hatte kein Brot.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Da sah er einen, der hatte Brot. Den schlug er tot.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Du darfst doch keinen totschlagen, sagte der Richter.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Warum nicht, fragte der Soldat.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Als die Friedenskonferenz zuende war, gingen die Minister durch die Stadt. Da kamen Sie an einer Schie&amp;szlig;bude vorbei. Mal Schie&amp;szlig;en, der Herr? riefen die M&amp;auml;dchen mit den roten Lippen. Da nahmen die Minister alle ein Gewehr und schossen auf kleine M&amp;auml;nner aus Pappe.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Mitten im Schie&amp;szlig;en kam eine alte Frau und nahm ihnen die Gewehre weg. Als einer der Minister es wieder haben wollte, gab sie ihm eine Ohrfeige.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Es war eine Mutter.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Es waren einmal zwei Menschen. Als sie zwei Jahre alt waren, schlugen sie sich mit den H&amp;auml;nden.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Als sie zw&amp;ouml;lf waren, schlugen sie sich mit St&amp;ouml;cken und warfen mit Steinen.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Als sie zweiundzwanzig waren, schossen sie mit Gewehren nach einander.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Als sie zweiundvierzig waren, warfen sie mit Bomben.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Als sie zweiundsechzig waren, nahmen sie Bakterien.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Als sie zweiundachtzig waren, starben sie. Sie wurden nebeneinander begraben.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Als sich nach hundert Jahren ein Regenwurm durch ihre beiden Gr&amp;auml;ber fra&amp;szlig;, merkte er es gar nicht, da&amp;szlig; hier zwei verschiedene Menschen begraben waren. Es war dieselbe Erde.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Alles dieselbe Erde.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Als im Jahre 5000 ein Maulwurf aus der Erde rauskuckte, da stellte er beruhigt fest:&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Die B&amp;auml;ume sind immer noch B&amp;auml;ume.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Die Kr&amp;auml;hen kr&amp;auml;chzen noch.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Und die Hunde heben immer noch ihr Bein.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Die Stinte und Sterne,&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;das Moos und das Meer&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;und die M&amp;uuml;cken:&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Sie sind alle dieselben geblieben.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Und manchmal -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;manchmal trifft man einen Menschen.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 09 Dec 2015 13:00:00 +0100</pubDate>
    <guid isPermaLink="false">https://blog.goehde.com/index.php?/archives/71-guid</guid>
    <category>Wolfgang Borchert</category>

</item>

</channel>
</rss>
